Volksbank BraWo Projekt GmbH Nachhaltiges Büro- und Dienstleistungsgebäude am Forschungsflughafen Braunschweig

Das Lilienthalhaus bildet direkt gegenüber dem historischen Flughafengebäude den Auftakt für die weitere Entwicklung des Forschungsflughafens Braunschweig. Im Mittelpunkt der Betrachtung stand der Nutzerkomfort in Bezug auf die Aspekte Aufenthaltsqualität, sommer- und winterlicher Wärmeschutz, visueller Komfort und eine hervorragende Luftqualität. Dabei sollten die Planungsvorgaben in einem schlanken, nutzerfreundlichen und ebenso robusten Konzept umgesetzt werden. Neben modernster Ausstattung und Architektur erfüllt das Lilienthalhaus die aktuellen Standards der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und wurde von ihr mit „Gold“ zertifiziert. Durch die elektrochrome Verglasung der Fassade wird einerseits ein außenliegender Sonnenschutz überflüssig. Auf der anderen Seite ermöglicht eine Folienkissenkonstruktion auf dem Dach des Atriums die Einsparung von Material und Betriebskosten. Zudem bezieht das Gebäude 50 Prozent des Strombedarfs aus aus einer eigenen Photovoltaikanlage.

 

Lessons Learned
Es ist für den Projekterfolg entscheidend, dass die vorgeschlagenen Konzepte und Lösungen einfach und robust sein müssen, damit sowohl die Umsetzung erfolgreich sein kann, aber auch die Nutzer mit dem Ergebnis zufrieden sind. Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung mit zukunftsweisenden Ideen lohnend, insbesondere wenn es um den Fokus Material und Ressourceneffizienz geht. In einem interdisziplinären Planungsteam lassen sich Lösungen entwickeln, die zu einem nachhaltigen Umgang mit den knapper werdenden Rohstoffen führen. Allen Beteiligten war klar, dass der Einsatz innovativer Produkte und zukunftsweisender Lösungen nicht ohne Herausforderungen möglich sein wird. Die entsprechende Souveränität bei der Entwicklung planerischer Lösungen hat die Umsetzung erst möglich gemacht.

 

Elektrochrome Verglasung
Mit der innovativen Verglasung steht ein intelligentes Sonnenschutzglas zur Verfügung, das sich bei Sonneneinstrahlung automatisch tönt, dabei den Wärmeeintrag sowie Energie- und Unterhaltskosten signifikant senkt und in jedem Zustand freie Sicht nach draußen garantiert. Dafür sorgt unter anderem eine veränderbare Glastönung, durch die Tageslicht in die Bürogebäude gelangt. Auf diese Weise reduziert sich tagsüber der Bedarf an künstlichem Licht und daraus resultierend auch der Energiebedarf. Die Verdunklung der Fassade wird automatisch anhand der jeweiligen Sonneneinstrahlung bemessen und entsprechend abgedunkelt. Bei Bedarf kann die Verdunklung manuell bedient werden. Da auf einen außenliegenden Sonnenschutz komplett verzichtet werden kann, fallen auch die Wartungs- und Instandhaltungskosten deutlich geringer aus.

Folienkissenkonstruktion und Solar-Module
Das innenliegende Atrium, das für Veranstaltungen genutzt werden kann, wird nach oben durch ein Foliendach begrenzt. PTFE-Folien mit mehrlagigem Aufbau werden zu einem Luftkissen aufgeblasen und bilden die thermische Hülle. In einer dynamischen Jahressimulation wurden Energiedurchlassgrad und  Lichtdurchlässigkeit als Werte für die notwendige Bedruckung bestimmt, sodass die Tageslichtverhältnisse und der thermische Komfort aufeinander abgestimmt sind. Das Folienkissen ersetzt die üblicherweise verbaute Überkopfverglasung mit der notwendigen kleinteiligen Unterkonstruktion und ermöglicht durch das äußerst geringe Eigengewicht eine leichte Konstruktion mit filigraner Statik. Aluminium mit einem Gewicht von circa 5,5 Tonnen konnte eingespart werden und das durch Drahtseile in Form gehaltene Folienkissen ersetzt den mehrschichtigen Glasaufbau. Dabei bleibt der Energiebedarf für die Druckhaltung im Kissendach untergeordnet.

Intelligenter Luftverbund durch Zonierung
Im Rahmen der integralen Planung konnte ein weiterer Aspekt zur Materialeffizienz beitragen. Die Zonierung des Gebäudes ermöglicht einen intelligenten Luftverbund zur Frischluftversorgung aller Nutzbereiche. Die außenliegenden Büros saugen über die Fassade das erforderliche Luftvolumen an. Flur- und Kombizone werden durchströmt, in den Teeküchen und Sanitärbereichen wird die Luft abgesaugt. Die innenliegenden Räume werden über das Atrium mit Frischluft versorgt. Temperatur- und nutzungsabhängig wird die Zuluftmenge bestimmt. Im Winter ermöglicht ein Kreislaufverbundsystem eine Wärmerückgewinnung, im Sommer ist durch Öffnungen im Dach eine natürliche Lüftung möglich. Der Einbau von Lüftungsleitungen konnte auf ein Minimum reduziert werden. Neben der Verringerung des Materialeinsatzes hat das System auch niedrigere Betriebskosten als konventionell mechanisch belüftete
Gebäude.

Verbessertes Wohlfühlklima mit geringem Energiebedarf
Auf Raumebene wird ein nutzerfreundliches Konzept umgesetzt, das es ermöglicht, eigenbestimmt die Behaglichkeitsparameter zu wählen. Über einen intelligenten Luftverbund kann die Frischluftversorgung mechanisch unterstützt und im Bedarfsfall geheizt oder moderat gekühlt werden. Die raumhohe Verglasung ermöglicht es, Tageslicht effektiv zu nutzen und durch tönbares Glas blendfreie Bedingungen zu schaffen.